Die größte Party der Welt
Gigantisch soll sie werden, alles Bisherige in den Schatten stellen: Die Erwartungen, die am Freitag ab 20.00 Uhr (14.00 Uhr MESZ) an die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking gestellt werden, sind groß. Es gehört zum Selbstverständnis des Ausrichterlandes, alle Olympischen Spiele der Vergangenheit überstrahlen zu wollen. Zumal China im Vorfeld aufgrund der Tibet-Frage, der Diskussion um die Menschenrechtsverletzung und um die Pressefreiheit internationale Kritik zu hören bekam. All das will China vergessen machen und den Blick auf die Eröffnungsfeier lenken.
“Es ist die größte Party der Welt”, sagt Cai Guoqiang. Auf ihm ruhen große Hoffnungen, der berühmte chinesische Künstler ist der oberster Feuerwerker der Zeremonie. “Olympia wird einen positiven Effekt auf China haben”, sagt der in New York lebende Künstler. Die Details der Feier werden wie Staatsgeheimnisse behandelt. Dennoch gelangten einige ans Tageslicht: Ein Reporter des privaten Fernsehsenders Seoul Broadcasting System (SBS) marschierte während einer streng geheimen Kostümprobe in das Nationalstadion. SBS veröffentlichte die Aufnahmen und stellte sie zeitweise ins Internet. Trommler, eine riesige chinesische Schriftrolle, Tänzer und Terrakotta-Soldaten sowie Kungfu-Kämpfer, Akrobaten und prominente Personen der chinesischen Geschichte werden während der Feier, die mehrere tausend Jahre chinesischer Kultur in drei Stunden bündelt, auftreten.
Schulterschluss mit der westlichen Welt
Nicht nur der Materialaufwand ist riesig, sondern auch die investierte Zeit: Drei lange Jahre arbeitete der chinesische Regisseur Zhang Yimou an der Inszenierung. Musikalisch werden chinesische und westliche Elemente verbunden, bestens symbolisiert durch das Duo aus der britischen Sängerin Sarah Brightman und dem chinesischen Pop-Idol Liu Huan. Den absoluten Höhepunkt bildet das gigantische Feuerwerk. Neben 2008 lachenden Gesichtern werden die fünf olympischen Ringe an den Himmel gezaubert. Doch in all den unbeschwerten Feierlichkeiten haben die Planer auch einen Moment des Innehaltens und der Nachdenklichkeit eingeplant, schließlich soll den Opfern der Erdbebenkatastrophe in der Provinz Sichuan gedacht werden.
Eine Milliarde Menschen werden weltweit an den Fernsehern die Eröffnungsfeier verfolgen und mehr als 80 Staatsoberhäupter sowie Regierungschefs sorgen trotz aller Boykottdrohungen für eine gefüllte Ehrentribüne zur Eröffnungsfeier. US-Präsident George W. Bush, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy oder der russische Ministerpräsident Wladimir Putin werden vor Ort sein. Ebenso nehmen Afghanistans Präsident Hamid Karzai, König Harald von Norwegen und Königin Sonja, Japans Premierminister Yasuo Fukuda oder Brasiliens Präsident Luiz Lula da Silva Platz. Die 91.000 Zuschauer bei der Olympia-Eröffnungsfeier im Pekinger “Vogelnest” werden voraussichtlich im Trockenen sitzen. Laut des chinesischen Wetteramtes ist am Freitagabend (Ortszeit) mit bedecktem Himmel, aber nicht mit Regen zu rechnen. Die Höchsttemperaturen werden um 30 Grad Celsius liegen, regnen sollte es erst am Wochenende.
Nord- und Südkorea laufen getrennt ein
Doch die politische Situation in einigen Teilnehmerländern macht auch vor der Eröffnungsfeier nicht halt: Nord- und Südkorea werden nicht gemeinsam einmarschieren, wie IOC-Präsident Jacques Rogge mitteilte. Sowohl bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen als auch 2000 in Sydney hatten die Länder noch gemeinsam das Stadionrund betreten, aber diesmal wollten die “politischen Mächte”, wie Jacques Rogge mitteilte, dies nicht.
Land für Land lüftet nun das Geheimnis um die Fahnenträger. Bei den Schweizern und bei den Chinesen gab es keine großen Überraschungen, beide Länder haben sich für die Fahnenträger von 2004 entschieden. Bei den Chinesen ist dies der 27-jährige Basketball-Star Yao Ming, bei den Schweizern Tennis-Profi Roger Federer. Ungeklärt ist noch, wem bei den Norwegern die Ehre zuteil wird. Der Gewichtheberin Ruth Kasirye droht das Aus, noch bevor die Spiele angefangen haben, denn die gebürtige Uganderin verstößt gegen das olympische Werbeverbot. Eine am Donnerstag veröffentlichte Anzeige ihres Sponsors mit dem Text “Wir finanzieren ihren Weg nach Peking” sorgte für Aufregung. Kurios ist die Situation bei der philippinischen Mannschaft: Der Boxer Manny Pacquiao wird die Fahne tragen, obwohl der Weltmeister im Leichtgewicht (WBC) als Profi gar nicht an den Spielen teilnimmt.