Jahrhundertelang wurde der Jahresbeginn an unterschiedlichen Terminen begangen. Seit einer Entscheidung von Papst Innozenz XII. im Jahr 1691 wird der 1. Januar als erster Tag des Jahres gefeiert.
Davor wurde das Jahr mal am 25. Dezember, mal am Dreikönigstag, dem 6. Januar, angefangen. In dieser Kalender-Verwirrung hat der Begriff «zwischen den Jahren» seinen Ursprung.
Viele Religionen haben bis heute ihren eigenen, meist beweglichen Neujahrstag. Juden und Muslime rechnen dabei nach Mondjahren. Für Chinesen beginnt das neue Jahr zwischen Ende Januar und Ende Februar. Im Mittelalter galt der Neujahrstag als Fest der Narren.
Trotz klirrender Kälte begrüßte eine Menschenmasse am Brandenburger Tor das neue Jahr, in New York war die «Zeitkugel», die kurz vor Mitternacht gezündet wird, größer denn je. In Frankreich kam es indes zu Zwischenfällen.
Ebenso ausgelassen wie friedlich haben rund eine Million Menschen auf der größten deutschen Silvesterparty am Brandenburger Tor das Neue Jahr begrüßt. Dazu lief als Eröffnungsmusik für das Jahr 2009 «What A Wonderful World» von Louis Armstrong. Nach übereinstimmenden Angaben der Veranstalter und der Polizei kam es auf der zwei Kilometer langen Festmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule dabei nicht zu nennenswerten Zwischenfällen.
Das Rote Kreuz musste 117 Mal helfen, womit sich die Noteinsätze ebenso wie die Besucherzahlen etwa im Rahmen des Vorjahres hielten. Die Polizei berichtete von wenigen Interventionen, wobei es vornehmlich um Trunkenheit gegangen sei. Der Höhepunkt des Abends zwischen Buden und Fahrgeschäften war ein 12-minütiges Feuerwerk mit 260 Kilo pyrotechnischem Material zu den Klängen von Adoro. Die fünf Tenöre sangen «Liebe ist alles», eine Coverversion des Rosenstolz-Klassikers.
Schon zwei Stunden vor Mitternacht waren wegen des Andrangs die Eingänge zur Festmeile geschlossen worden. Die Feiernden prosteten sich mit Sekt in Bechern zu, denn Flaschen waren auf der Partymeile verboten. «Auf einer der größten Partys Europas zu sein, ist einfach toll», sagte Theresa aus Stuttgart. Zusammen mit ihren Freundinnen Johanna und Annika war die Studentin wie viele andere Besucher aus aller Welt zur Feier in die Hauptstadt gekommen. Im Anschluss an das Feuerwerk ging die Feier als Open-End-Disco unter freiem Himmel weiter. Rund 20 Künstler wie die deutsche Pop- Prinzessin LaFee oder die Rocker von Ooomph! sorgten auf drei Bühnen und in acht Zelten für Stimmung und Tanzlaune.
Same procedure… in New York
In New York begrüßten trotz klirrender Kälte und eisigem Wind etwa eine Million Menschen im Herzen Manhattans das neue Jahr nach alter New Yorker Tradition. Ex-Präsident Bill Clinton und seine Frau, die nächste US-Außenministerin Hillary Clinton, drückten eine Minute vor Mitternacht den Knopf, der die leuchtende «Zeitkugel» über dem Times Square herabschweben ließ.
Der mit Schweinwerfern und Spiegeln bestückte Kristallball war in dieser Silvesternacht fast doppelt so groß wie in vergangenen Jahren. Er erreichte den Boden um Punkt 24.00 Uhr – sechs Stunden nach der deutschen Zeit. Die für Europäer eher ungewohnte Zeremonie geht auf eine alte Seefahrertradition zurück, bei der die Zeit durch eine an einer Stange herabsinkende Kugel gemessen wurde. Die Amerikaner sehen die Neujahrskugel als Symbol für Glück und Frieden.
Für Stimmung auf dem berühmten Platz am New Yorker Broadway sowie im benachbarten Rockefeller Center sorgten Popsänger und Hip-Hop-Künstler wie die Jonas Brüder, Ludacris, Taylor Swift, Parachute und Lionel Richie. Besonders hartgesottene Zuschauer hatten sich schon am Nachmittag eingefunden, um das Spektakel zum Jahreswechsel in einer der vorderen Reihen genießen zu können. Sie mussten bei Temperaturen bis zu minus zehn Grad Celsius und Windböen von knapp 70 Stundenkilometern viele Stunden bis zum entscheidenden Moment ausharren. In einigen anderen US-Städten wurden die Neujahrsfeiern wegen der Wirtschaftskrise abgesagt.
Brennende Autos in Frankreich, Unruhen in Athen
In Frankreich gingen derweil in der Silvesternacht in mehreren Städten mindestens 440 Autos in Flammen auf. Im vergangenen Jahr waren es etwa 370 Autos gewesen. Allein im Elsass wurden nach einer vorläufigen Bilanz etwa 50 Autos in Brand gesteckt. 17 Menschen seien vorläufig festgenommen worden, hieß es nach Angaben der Präfektur in Straßburg von Donnerstag.
Rund 550.000 Menschen feierten auf der Pariser Prachtstraße Champs Élysées. Die Stimmung sei eher gedämpft gewesen, berichteten Augenzeugen im französischen Rundfunk. Ein Feuerwerk gab es nicht. Zu größeren Zwischenfällen sei es nicht gekommen, teilte die Polizei mit. Frankreich hatte die Zahl der Polizisten in der Silvesternacht auf 35.000 erhöht. Etwa 220 Menschen kamen in Polizeigewahrsam, ein Anstieg um etwa 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Tausende Iren feierten vor der mittelalterlichen Kirche Christ Church im Zentrum von Dublin. In Island störten Demonstranten die Aufzeichnung der traditionellen Neujahrsansprache von Ministerpräsident Geir Haarde, den sie für den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes verantwortlich machen.
In Griechenland flammten in der Silvesternacht die Unruhen von Neuem auf. Am Rande der Neujahrsfeiern in der Hauptstadt Athen wurden Brandanschläge auf zehn Banken und zwei Autohändler verübt. Auf dem Syntagma-Platz am Parlamentsgebäude demonstrierten 200 Menschen gegen die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen. Dabei wurden Fahnen Israels, der USA und der EU verbrannt. In Saloniki kam es in der Silvesternacht zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.
59 Tote bei Nachtclub-Brand in Bangkok
In Thailands Hauptstadt Bangkok nahm indes eine Silvesterfeier ein tödliches Ende: Bei einem Brand in einem Nachtclub kamen mindestens 59 Menschen ums Leben. Nach Polizeiangaben vom Donnerstag wurden zudem mindestens 212 Menschen verletzt. Sie wurden mit Verbrennungen und Rauchvergiftungen in mehrere Krankenhäuser gebracht. Ersten Ermittlungen zufolge wurde der Brand vermutlich durch ein Feuerwerk ausgelöst.
Zur Zeit des Brandes um 0.20 Uhr Ortszeit waren etwa 1000 Menschen in dem populären Club Santika. Unter den Gästen sei Panik ausgebrochen. Nach Polizeiangaben versuchten viele Gäste durch den Haupteingang ins Freie zu flüchten. Die meisten Opfer seien erstickt oder zu Tode getrampelt worden. Es werde befürchtet, dass die Zahl der Toten noch steigen könnte, da noch nicht alle Räume des vollständig ausgebrannten Gebäudes durchsucht worden seien. Dem Auswärtigen Amt in Berlin lagen zunächst keine Hinweise vor, dass sich Deutsche unter den Toten befinden könnten.
Weniger Feiern in arabischen Ländern
In mehreren arabischen Ländern wurden die Feiern zum Jahreswechsel unter dem Eindruck der israelischen Luftangriffe im Gazastreifen abgesagt. Vor allem in Ägypten, Jordanien, in den Emiraten am Persischen Golf sowie im Irak fielen Partys aus. In Rio de Janeiro versammelten sich bei tropischen Temperaturen schätzungsweise zwei Millionen Menschen an der Copacabana.