Weihnachten ist das Fest der Geburt Jesu Christi und neben Ostern das Hauptfest im Kirchenjahr. Etwa jeder zweite Bundesbürger wird zu Weihnachten in einen Gottesdienst gehen, für viele ist es der einzige Kirchenbesuch des Jahres.
Die theologische Bedeutung von Weihnachten liegt in der Menschwerdung Gottes. Für die Christen ist Jesus der Messias, also der Erlöser der Menschheit, der das Evangelium verkündet. In den Christmetten wird die biblische Überlieferung der Geburt Jesu aus dem Lukas-Evangelium verlesen. Danach wurde Jesus in Bethlehem in einer Krippe geboren.
In Bethlehem existiert heute noch die aus dem 6. Jahrhundert stammende Geburtskirche. Sie soll religiösen Überlieferungen zufolge über jener Höhle errichtet worden sein, in der Jesus zur Welt kam. Unter der Kirche liegt die Geburtsgrotte mit dem sogenannten Silberstern. Seine lateinische Inschrift lautet: «Hic de Virgine Maria Jesus Christus natus est» (Hier wurde von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren). Fünfzehn Lampen über dem Stern repräsentieren verschiedene christliche Konfessionen. Die erste Kalendernotiz, die die Geburt Jesu auf den 25. Dezember festlegt, findet sich im Chronographen des Kopisten Furius Dionysius Filocalus aus dem Jahre 354. Frühere Zeugnisse belegen auch andere Daten.
Die Verknüpfung des christlichen Weihnachtsfestes mit dem Weihnachtsmann hat sich erst im 20. Jahrhundert weitgehend durchgesetzt. In den USA hatte eine Werbekampagne von Coca Cola 1931 großen Anteil daran. In christlichen Familien bringt aber noch heute das Christkind die Geschenke. Entwickelt hatte sich der Brauch des Weihnachtsmanns aber schon im 19. Jahrhundert. Vorbild waren der heilige Nikolaus und sein Begleiter Knecht Ruprecht, die in der Adventszeit Geschenke verteilen.
Weihnachten in der ganzen Welt
Rund um den Globus feierten Christen die Geburt Jesu Christi. Auch an Orten, wo man vielleicht keinen Weihnachtsbaum vermutet hätte, saßen Menschen mit ihren Familien zusammen und verbrachten einen besinnlichen Heiligen Abend. – Und selbst Menschen, mit anderen Glauben stellten sich so mancherorts ein kleines beschmücktes Bäumchen auf. – Denn beim Fest der Liebe kann ja schließlich jeder mitfeiern!
Neue Erkenntnisse zu einem alten Thema
Das Weihnachtfest entstand erst mehr als 300 Jahre nach der Geburt Jesu – warum, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Ein Theologe der Universität Bonn hat nun neue Erkenntnisse zu dieser alten Frage vorgelegt.
Im frühen Christentum war es nicht üblich, dass man Geburtstage feierte, galten sie doch als Beginn des sündigen Erdenlebens. Und selbst wenn man die Geburt Jesu hätte feiern wollen: Wann hätte man das tun sollen? “Wir wissen bis heute nicht genau, wann Jesus zur Welt kam”, erklärt Professor Wolfram
Kinzig. Sogar zum Geburtsjahr gebe es widersprüchliche Informationen, sagt der Bonner Kirchenhistoriker:
“Laut Lukasevangelium ist Jesus zur Zeit Herodes’ des Großen geboren. Damals sei Quirinius Statthalter in Syrien gewesen. Herodes starb aber nachweislich im Jahr 4 vor Christus, und Quirinius trat sein Amt erst 6 nach Christus an. Es klafft also eine Lücke von zehn Jahren!”
Weihnachten erst seit Mitte des vierten Jahrhunderts
Ohnehin kennen andere Großreligionen kein ähnliches Fest: Das Judentum begeht weder die Geburt Moses noch den Tag, als Abraham das Licht der Welt erblickte. Viele Muslime feiern zwar die Geburt des Propheten, doch ist dieser Brauch hoch umstritten. Und auch die Christen begannen erstaunlicherweise erst um die Mitte des vierten Jahrhunderts, der Menschwerdung Gottes mit einem Fest zu gedenken – wieso? “Zum Einen standen dahinter sicher politische Gründe”, erläutert Kinzig. “Das Weihnachtsfest dürfte in Rom während der Herrschaft Konstantins des Großen entstanden sein. Von dort ‘exportierte’ man es später
in alle Welt, um den Einfluss des römischen Bischofs auszudehnen.”Andererseits sei Weihnachten aber auch Teil des Versuchs, den Inhalt des Glaubensbekenntnisses im Kirchenjahr durch wichtige Feste abzubilden. Nicht von ungefähr hätten sich Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten in ihrer heutigen Form etwa parallel zum Weihnachtsfest entwickelt.
Wintersonnwende als „Neugeburt“
Und warum wird Weihnachten gerade am 25.12. gefeiert? Das dürfte unter anderem mit dem Sonnenkult zusammen hängen, der im Römischen Reich im dritten Jahrhundert nach Christus zum Staatskult aufstieg. Damals begann man auch, die Wintersonnenwende in Rom mit einem großen Fest zu feiern – und zwar am 25.12 (heute fällt die Wintersonnenwende übrigens auf den 21. oder 22.12.; die Datumsverschiebung ist auf Kalenderungenauigkeiten zurück zu führen). Schon vor gut 100 Jahren hatte der Bonner Philologe Hermann Usener daher die These aufgestellt, die Kirche habe das Weihnachtsfest bewusst auf diesen Termin gelegt, um das heidnische Fest zu verdrängen.
“Ob es wirklich so war, ist bis heute umstritten”, erklärt Professor Kinzig. “Klar ist aber, dass sich seit dem vierten Jahrhundert die Sonnensymbolik auch in christlichen Quellen wiederfindet: Die Kirchenväter verglichen die Geburt Jesu in ihren Weihnachtspredigten beispielsweise mit der Geburt der neuen, wieder zunehmenden Sonne. Ein Zusammenhang mit den heidnischen Feiern zur Wintersonnenwende scheint also zumindest sehr plausibel.”